Kompostierbare Hundekotbeutel – ökologisch höchst bedenklich

Kompostierbare Hundekotbeutel sind weniger umweltfreundlich als Beutel aus RecyclingmaterialDavon haben Hundehalter immer geträumt: Hundekotbeutel, die kompostierbar sind. Endlich kein schlechtes Gewissen mehr, weil man mehrmals täglich Plastik-Müll erzeugt. Ja im Notfall kann man nun sogar mit gutem Gefühl ein Tütchen mit dem anrüchigen Inhalt im Busch verschwinden lassen. Alles gut, oder?

Leider ist dem nicht so! Abgesehen davon, dass kompostierbare Hundekotbeutel nicht in die Biotonne gehören, halten Sie auch sonst nicht, was sie versprechen. Am Ende tragen kompostierbare Kotbeutel sogar dazu bei, dass unsere Umwelt noch stärker durch Kunststoffpartikel belastet wird. Ebenfalls wird häufig irrtümlich davon ausgegangen, dass biologisch abbaubare Kotbeutel aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Warum dies oft nicht der Fall ist, erläutert dieser Artikel:
Hundekotbeutel aus Bio-Kunststoff – was genau bedeutet dabei Bio?

 

Kompostierbare Hundekotbeutel laut Bundesumweltamt nicht umweltfreundlich

Es kursieren die unterschiedlichsten Begriffe, die scheinbar das gleiche meinen, in Wirklichkeit aber ganz unterschiedliches bedeuten. Fazit: nicht jede biologisch abbaubare Hundekottüte ist kompostierbar!

Das Bundesumweltamt kommt in einem Hintergrundpapier zu einem vernichtenden Urteil hinsichtlich biologisch abbaubarer Kunststoffe wie z.B. kompostierbare Hundekotbeutel. Da unter Einbeziehung aller Aspekte bis heute keine positive Ökobilanz belegt werden kann, fordert das Bundesumweltamt, das Werben mit positiven Umweltaussagen im Zusammenhang mit biologisch abbaubaren Kunststoffen solange zu unterlassen, bis anerkannte wissenschaftliche Untersuchungen die Umweltvorteilhaftigkeit tatsächlich belegen.1)

 

Die große Lüge von kompostierbaren Hundekotbeuteln

Nach der Europäischen Norm darf sich ein Kotbeutel kompostierbar nennen, wenn er innerhalb von 90 Tagen zu 90% abgebaut werden kann. Andere Normen sind da wesentlich großzügiger und verlangen lediglich einen 60%igen Abbau innerhalb von 180 Tagen. An den Kompostiervorgang werden dabei sehr hohe Anforderungen gestellt, die – wenn überhaupt – nur in industriellen Kompostieranlagen erfüllt werden. Die Kompostierung im Gartenkompost ist hingegen meist nicht möglich.1) Mit Blick auf kompostierbare Müllbeutel sagt Helge Wendenburg vom Bundesumweltministerium, dass sich die Stoffe ohnehin nur bei einer bestimmten Wärmeentwicklung in Kompostieranlagen und einer längeren Verweildauer zersetzen. „Wenn Sie die Tüte in den Wald oder ins Meer schmeißen, passiert gar nichts“.2)

Hans Demanowski, Professor für Verpackungstechnik an der Beuth Hochschule für Technik in Berlin, drückt sich noch drastisch aus: „Kompostierbares Plastik ist in den meisten Fällen kompletter Blödsinn. Woher solle ein Joghurtbecher wissen, ob er im Supermarkt steht oder auf dem Kompost liegt und ab wann er zerfallen darf? Das ist reine Werbung. Zumindest ist es nicht so einfach, wie für den Verbraucher dargestellt.“3)

Wer dennoch glaubt, sein kompostierbarer Hundekotbeutel wird kompostiert, wenn er ihn über die Biotonne entsorgt, erliegt einem großen Irrtum! Eine Umfrage der Deutschen Umwelthilfe e.V. unter 400 deutschen Kompostier-Betrieben ergab, dass 98 Prozent der Kompostierungsanlagen keine biologisch abbaubaren Kunststoffe kompostieren. Stattdessen müssen kompostierbare Tüten mühsam aussortiert werden.4)

 

Kein wertvoller Humus aus kompostierbaren Hundekotbeuteln

Sofern die Rottezeit von 90 bzw. 180 Tagen überhaupt in industriellen Kompostierbetrieben eingehalten werden kann, wird der kompostierbare Hundekotbeutel ohne zusätzlichen Nutzen in wertloses CO2 und Wasser zersetzt. Es entsteht also keine wertvollen Kompostbestandteile wie Mineralien, Nährstoffe oder Humus. Als Entsorgungsweg für biologisch abbaubare Kunststoffe empfiehlt deshalb das Bundesumweltamt die Verbrennung unter Nutzung des Energiegehaltes.1)

 

Kompostierbare Hundekotbeutel belasten die Umwelt in Form von Mikroplastik

Der übliche kompostierbare Hundekotbeutel braucht ca. 12-25 Wochen, um in einer industriellen Kompostieranlage mehr oder minder vollständig zu zerfallen. Bei oben genannter Umfrage der Deutschen Umwelthilfe gaben zwei Drittel der befragten Betriebe an, dass die Verweildauer von Biomüll maximal acht Wochen beträgt. Bei der sogenannten Intensivrottung beträgt die Verweildauer sogar nur ein bis zwei Wochen.4) Aufgrund der zu kurzen Rottzeiten werden kompostierbare Hundekotbeutel nicht abgebaut sondern nur in kleinste Mikropartikel zerlegt. Dies verschlechtert zum einen die Qualität des Humus bis hin zur Unbrauchbarkeit. Schlimmer aber noch ist die Belastung der Umwelt. Diese Mikropartikel finden über das Oberflächenwasser den Weg in die Flüsse und Weltmeere und landen am Ende des Kreislaufs in unseren Nahrungsmitteln.

 

Schlechte werkstoffliche Recyclingfähigkeit von kompostierbaren Hundekotbeuteln

Gelangen kompostierbare Hundekotbeutel in den gelben Sack, behindern sie das erfolgreiche werkstoffliche Kunststoffrecycling. Vermischen sie sich mit herkömmlichen Kunststoffen, lösen sich die Substanzen bei den folgenden Wasch- und Aufbereitungsprozessen auf. Die Folge ist eine Minderung der Materialqualität.5)

 

Fazit:

kompostierbare Hundekotbeutel können nicht im geringsten halten, was sie versprechen. Diese Tüten gehören nicht in die Biotonne, auch nicht auf den Kompost und schon gar nicht in die Natur. Hundehalter, denen die Umwelt nicht egal ist, setzen stattdessen auf umweltfreundliche Hundekotbeutel aus recyceltem Kunststoff und entsorgen diese in der Restmülltonne oder in öffentlich aufgestellten Abfallbehältern. In der anschließenden Müllverbrennung erzeugen die Beutel so noch wertvolle Energie.

 

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Quellen:
1) Bundesumweltamt: Hintergrundpapier Biologisch abbaubare Kunststoffe
2) Die Welt
3) Spiegel Online
4) Umfrage der Deutschen Umwelthilfe e.V. unter deutschen Kompostierern vom 16.01.2012

5) bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.

 

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