Hundekotbeutel aus Maisstärke – ein ökologischer Trugschluss

Hundekotbeutel aus Maisstärke haben laut Bundesumweltamt keinen ökologischen VorteilImmer mehr Menschen greifen auf Hundekotbeutel aus Maisstärke oder anderen Biostoffen zurück, in dem guten Glauben, damit etwas Gutes für die Umwelt zu tun. Schließlich sind Kunststoffe aus Biomasse in aller Munde. Ihre Vorteile liegen ja scheinbar klar auf der Hand: Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen schonen die begrenzten fossilen Rohstoffe.

 

Umweltbundesamt attestiert Hundekotbeuteln aus Maisstärke keinen ökologischen Vorteil

Tatsächlich wird bei der Herstellung z.B. von Hundekotbeuteln aus Maisstärke CO2 eingespart. Doch selbst das Umweltbundesamt bewertet den massenhaften Einsatz von Öko-Tüten kritisch. „Biologisch abbaubare Kunststoffe für Verpackungen, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden, haben keinen ökologischen Vorteil“, sagt der Leiter des Fachbereiches für Kreislaufwirtschaft, Michael Angrick.1)

 

Wo Bio auf dem Hundekotbeutel steht, ist Maisstärke oft nur in geringen Mengen drin!

Für das Prädikat „biobasiert“ gibt es derzeit noch keine gesetzlichen Normen. In Europa gibt es aktuell zwei privatwirtschaftliche Unternehmen, die z.B. für Hundekotbeutel aus Maisstärke entsprechende Zertifizierungen nach eigenen Vorgaben vornehmen. Für die Zertifizierung sind zwei Faktoren relevant:

  • gesamter Kohlenstoffgehalt des Kunststoffes = Biobasierter Kohlenstoffgehalt
  • Gewichtsanteil von Biomasse im Kunststoff = Biomassegehalt

Je nach Zertifizierungsstelle wird ein „Biobasiert“ Zertifikat bereits dann ausgestellt, wenn die Tüte ein Gehalt von mindestens 30% biobasiertem Kohlenstoff und 20% Biomasse aufweist2). Der meist überwiegende Rest besteht aus herkömmlichem Erdöl.

In vielen Hundekotbeuteln aus Maisstärke oder anderen Biostoffen werden sogenannte Additive hinzugefügt, damit das Produkt seine gewünschten Eigenschaften erhält. Auch diese Zusätze wie Stabilisatoren, Gleitmittel oder Antistatika sind rohölbasiert.3)

Man sollte sich also nicht von dem Wort Bio täuschen lassen sondern sehr genau hinsehen, wie viel Maisstärke ein Hundekotbeutel tatsächlich enthält!

 

Schlechte Gesamt-Ökobilanz von Hundekotbeuteln aus Maisstärke und anderen pflanzlichen Rohstoffen

Zur Bewertung des ökologischen Fingerprints von Hundekotbeuteln aus Maisstärke muss man sich die gesamte Ökobilanz ansehen, von der Entstehung über die Verarbeitung bis hin zur Entsorgung.

Für die Herstellung von Bio-Hundekotbeuteln ist thermoplastische Stärke aus Mais, Weizen und Kartoffeln der wichtigste Rohstoff.4) Bei der Herstellung dieser Rohstoffe entstehen erhebliche Umweltbelastungen. Zum einen werden riesige landwirtschaftliche Anbauflächen mit Monokulturen bewirtschaftet. Im Interesse einer bestmöglichen Ausbeute werden Unmengen an ökologisch fragwürdigen Pestiziden und Düngemitteln eingesetzt, die unter anderem zu einer erheblichen Verschmutzung des Grundwassers führen. Hinzu kommt, dass gerade bei maisbasierten Kunststoffen häufig genmanipulierter Mais eingesetzt wird. Für den Betrieb der Maschinen wird zusätzlich jede Menge Diesel benötigt.5)

Der Anbau von Mais für Hundekotbeutel verschärft die HungerproblematikHinzu kommt die gleiche Problematik, die bereits bei Biosprit bekannt ist. Eine Studie des US-Amerikaners Timothy Searchinger von der Universität Princeton kommt zu dem Ergebniss, dass die Erzeugung von Agrarerzeugnissen für die industrielle Nutzung direkt zu Lasten der Lebensmittel- und Futtermittelerzeugung geht. Dies führt zu schlechterer Qualität und verschärft das Hungerproblem in den ärmsten Ländern der Welt weiter, so Kathrin Birkel, Biosprit-Expertin des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).5)

Nach Auswertung der derzeit existierenden ökobilanziellen Untersuchungen kommt das Umweltbundesamt deshalb zu dem Schluss, dass biobasierte Kunststoffe wie z.B. Hundekotbeutel aus Maisstärke im Vergleich zu herkömmlichen Kunststoffen alles andere als umweltfreundlicher sind.6)

 

Hundekotbeutel aus Maisstärke sind nicht automatisch kompostierbar

Fälschlicherweise wird häufig angenommen, dass Kunststoffe aus Biomasse automatisch kompostierbar sind. Warum das nicht stimmt, erklärt dieser Artikel:
Hundekotbeutel aus Bio-Kunststoff – was genau bedeutet dabei Bio?

Warum kompostierbare Hundekotbeutel ökologisch unsinnig sind, erklärt dieser Artikel:
Warum sind kompostierbare Hundekotbeutel ökologisch nicht sinnvoll?

 

Fazit:

Hundekotbeutel aus Maisstärke haben einen viel besseren Ruf als sie verdienen. Hundehalter, die umweltbewusst handeln, verzichten auf deren Einsatz. Die wesentlich umweltfreundlichere Alternative sind Kotbeutel aus recyceltem Kunststoff. Sie schonen ebenfalls fossile Ressourcen und geben Einwegprodukten aus Kunststoff eine zweite Daseinsberechtigung.

 

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Quellen:
1) Die Welt
2) Bundesumweltamt: Untersuchung der Umweltwirkungen von Verpackungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen
3) Hintergrundpapier der Deutschen Umwelthilfe e.V., 11. April 2012
4) Wikipedia
5) Spiegel Online
6) Bundesumweltamt: Tüten aus Bioplastik sind keine Alternative

 

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